Publikationen

Publikation der LGRF 11/2011

Publikation der LGRF 11/2011

Zum Buch: Nach der Befreiung erlebten die Kinder ihre Eltern – soweit diese die Zeit des  Nationalsozialismus überlebt hatten -, als Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes krank waren an Leib und Seele, auch wenn diese sich bemühten, die psychischen Folgen von Haft und Folter zu verheimlichen. Selbst Kinder und Enkel, die nach der Befreiung zur Welt kamen, waren und sind von diesen Folgen  betroffen. In der Öffentlichkeit ist diese besondere Situation der Kinder von Verfolgten nicht bekannt. Oft wurde die Betroffenheit auch von den eigenen Eltern nicht wahrgenommen. Wir wollten mehr darüber erfahren und beschlossen, im Rahmen von zwei Tagungen unserer Lagergemeinschaft Menschen, deren Mütter oder Großmütter in den Frauenkonzentrationslagern Moringen, Lichtenburg oder Ravensbrück inhaftiert waren, einzuladen, um über ihre Beziehung zur Verfolgung ihrer Angehörigen zu sprechen und untereinander ihre Erfahrungen auszutauschen.  Diese Tagungen fanden sehr viel Anklang – sowohl bei den ‚Kindern‘ selbst, als auch bei der jüngeren Generation innerhalb unserer Lagergemeinschaft. Wir beschlossen daher, die Tagungsbeiträge, ergänzt durch weitere Berichte von Nachkommen, in einer Broschüre zu veröffentlichen. Zunächst trugen wir Anschriften von Kindern und Enkeln zusammen, die entweder selbst oder deren Mütter Mitglied unserer Lagergemeinschaft sind bzw. waren, wandten uns dann aber auch an andere Opfergruppen und an die zweite Generation innerhalb des Internationalen Ravensbrück-Komitees. Insgesamt baten wir etwa 70 Personen um einen persönlichen Bericht, sei es in schriftlicher Form oder als Interview. Zu unserer Überraschung, aber auch zu unserer großen Freude erhielten wir über die Tagungsbeiträge hinaus auf diesem Weg eine Fülle weiterer Berichte. Aus der geplanten Broschüre wurde das Buch. Wir sind dankbar für jeden einzelnen dieser teilweise sehr persönlichen Beiträge. Sie wurden alle in das Buch aufgenommen. Die größte Zahl der Nachkommen, die uns Berichte gaben, stammt aus Familien von politisch Verfolgen. Das Buch enthält aber auch Berichte von Personen, die selbst und/oder deren Angehörige verfolgt wurden, weil sie Juden oder Sinti waren oder Zeugen Jehovas oder deren Angehörige von den Nazis als sogenannte Asoziale ermordet wurden. Der größte Teil der Kinder und Enkel wurde nach der Befreiung geboren. Nur wenige von ihnen haben die Zeit der Verfolgung selbst miterlebt. Zwei der Frauen wurden in Ravensbrück geboren. Allen Autorinnen und Autoren ist gemein, dass sie sich mit der Vergangenheit ihrer Familie auseinandersetzen, nach Spuren suchen und das Erbe ihrer Angehörigen angetreten haben. Insofern stellen die Beiträge keine repräsentative Auswahl dar. Wir konnten solche Nachkommen nicht erreichen, die aufgrund eigener Erfahrung während des Nationalsozialismus und in der Zeit des kalten Krieges das politische Verhalten ihrer Angehörigen ablehnen oder ihnen sogar Vorwürfe deswegen machen. Psychologische Folgen der KZ-Haft auf die  nachfolgenden Generationen werden in den Beiträgen selten erwähnt. Wir wissen, dass es Nachkommen von KZ-Häftlingen gab und gibt, die unter schweren Depressionen leiden, bis hin zur Suizidgefahr und zu erfolgtem Suizid. Auch das wird in der Veröffentlichung nicht deutlich. In der modernen Psychosomatik ist heute längst anerkannt, dass Krieg und Verfolgung noch nach Generationen die Gesundheit beeinträchtigen können. Das gilt in besonderem Maße für die Nachkommen der KZ-Häftlinge. Mehrere Beiträge  in unserem Buch zeigen, dass selbst Kinder und Enkel, die Jahre nach der Befreiung geboren wurden, deutlich durch die Verfolgung ihrer Mütter geprägt sind. Wir stimmen Prof. Jäckel zu in seiner Aussage, dass die Verfolgteneigenschaft nicht erblich ist. Aber aufgrund unseres Wissens und unserer Erfahrungen bleibt festzuhalten, dass die Betroffenheit von der Verfolgung – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung und in Abhängigkeit von der jeweiligen Persönlichkeit – an nachfolgende Generationen weitergegeben wurde. Die Buchgruppe

Ravensbrückblätter

Zeitung der “Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V.”

Die ravensbrückblätter wurden 1965 von Doris Maase, einer Überlebenden des KZ-Ravensbrück gegründet. Nach ihrem Tod übernahm Gertrud Müller, die Ehrenvorsitzende der Lagergemeinschaft Ravensbrück Freundeskreis e.V., die Verantwortung für die Blätter. 1993 stieg Ursel Hochmuth (Tochter der KZ-Überlebenden Katharina Jacob) in die Redaktionsarbeit mit ein und übernahm im Laufe der Jahre den größten Teil der inhaltlichen Zusammenstellung. Im Frühjahr 2000 wurde die Redaktion an das siebenköpfige Berliner Team (Veronika Springmann, Elke Hauf, Lotta Gothe, Silke Hinder, Monika Hinner, Gerhild Vollherbst, Ina Pilath; siehe Foto) übergeben. Druck und Versand lag weiterhin in den Händen von Gertrud Müller und Ellen Bürkle in Stuttgart.

 

 Letzte Ausgabe:

Ravensbrückblätter 143

RB 2013 Nov. 2013 2012 Ravensbrückblätter 142(12/2012 – 1398 kB) Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin?


Ältere Ausgaben:

2011 Ravensbrückblätter 139 (9/2011 – 3207 kB) Bevor sich die Erinnerung verliert Jahrestagung der LGRF vom 18.-20.11 in Berlin 2010 Ravensbrückblätter 138 (12/2010 – 3649 kB) Die Lagergemeinschaft Ravensbrück geht neue Wege Mitgliederversammlung 2010 der LGRF wählt Sprecherinnen Ravensbrückblätter 137 (6/2010 – 4061 KB) “Für Uckermark eine angemessene Lösung finden” Zentrale Gedenkfeier zum 65. Jahrestag der Befreiung in Ravensbrück 2009 Ravensbrückblätter 136 (12/2009 – 14585 KB) 50 Jahre Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück Ein Erinnerungsort, “von dem man wichtige Dinge erwarten darf”