ERBE ANTRETEN – VERMÄCHTNIS WEITERTRAGEN

27. Januar 2015

Erbe antreten – Vermächtnis weitertragen

Erklärung der Lagergemeinschaften, Komitees und Interessenverbände ehemaliger Häftlinge zum 70. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager

Vor 70 Jahren wurden die Häftlinge der Konzentrationslager durch Angehörige der sowjetischen, amerikanischen, britischen, französischen und polnischen Streitkräfte befreit.

Am 19. April 1945 versammelten sich ehemalige Häftlinge des selbstbefreiten Konzentrationslagers Buchenwald zu einer Trauerkundgebung für ihre ermordeten Kameraden und erklärten feierlich:

„Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens: Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.“

Der Schwur von Buchenwald ging in die Geschichte ein. Ehemalige Häftlinge anderer Konzentrationslager, wie Auschwitz, Dachau, Mauthausen, Neuengamme, Ravensbrück und Sachsenhausen schlossen sich ihm an. Nach ihrer Befreiung haben die ehemaligen Häftlinge Interessenverbände aufgebaut und deren Arbeit jahrzehntelang maßgeblich gestaltet. Sie haben sich in den zurückliegenden 70 Jahren immer wieder dafür engagiert, eine Wiederkehr ähnlicher Verbrechen zu verhindern. Sie brachten insbesondere jungen Menschen ihre Erlebnisse und Erfahrungen in den Lagern nahe. Sie erzählten von dem Leid, das sie in ihrer eigenen Jugend erfahren mussten, von ihrem Widerstand und dem ihrer verstorbenen und ermordeten Kameradinnen und Kameraden. Besonders wichtig war es ihnen, an die Ursachen für diese Verbrechen zu erinnern und die Täterinnen und Täter beim Namen zu nennen.

In ihrem Vermächtnis             „Erinnerung bewahren – authentische Orte erhalten – Verantwortung übernehmen“

vom 25. Januar 2009 erklärten KZ-Überlebende, die die internationalen Komitees von neun Lagern vertraten, öffentlich:

… Unsere Reihen lichten sich. In allen Instanzen unserer Verbände, auf nationaler wie internationaler Ebene, treten Menschen an unsere Seite, um die Erinnerung aufzunehmen: Sie geben uns Vertrauen in die Zukunft, sie setzen unsere Arbeit fort. Der Dialog, der mit uns begonnen wurde, muss mit ihnen fortgeführt werden. Für diese Arbeit benötigen sie die Unterstüt-zung von Staat und Gesellschaft. … Die letzten Augenzeugen wenden sich an Deutschland, an alle europäischen Staaten und die internationale Gemeinschaft, die menschliche Gabe der Erinnerung und des Gedenkens auch in der Zukunft zu bewahren und zu würdigen. Wir bitten die jungen Menschen, unseren Kampf gegen die Nazi-Ideologie und für eine gerechte, friedliche und tolerante Welt fortzuführen, eine Welt, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus keinen Platz haben sollen. …“

Wir, die Freunde und Mitstreiter, die Hinterbliebenen und Angehörigen der ehemaligen Häftlinge sowie alle bei uns Engagierten, zusammengeschlossen in den vielfältigen Interessengruppen, Komitees, Lagerarbeitsgemeinschaften, Lagergemeinschaften, Initiativgruppen und Freundeskreisen, erklären aus Anlass des 70. Jahrestages der Befreiung der Konzentrationslager, dass wir dieses Erbe schon lange angetreten haben und das Vermächtnis weitertragen werden. Wir verstehen uns als Bestandteil jener Kräfte, die die Erinnerungskultur in Deutschland und auch international mitgestalten sowie kritisch und engagiert begleiten. Daher fordern wir einen gleichberechtigten Platz in den Gremien der für die Gedenkstätten zuständigen Stiftungen und Institutionen.

Wir werden gemeinsam mit den Vertreterinnen und Vertretern der anderen Häftlings- und Opferverbände, der jüdischen Gemeinden, der Sinti und Roma, der Zeugen Jehovas, der Schwulen- und Lesbenverbände, der „Euthanasie“- Geschädigten, die seit vielen Jahrzehnten andauernde Arbeit fortsetzen. Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um das Vermächtnis unserer Freundinnen und Freunde, unserer Kameradinnen und Kameraden, unserer Eltern und Großeltern nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ihre Erfahrungen und ihr Leiden, ihr Widerstandsgeist und ihre Solidarität, ihr Kampf und ihre Freude am Leben sind uns Ansporn und Verpflichtung.

Ihre zentrale Forderung tragen wir weiter:

Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus!

26. Januar 2015 Unterzeichnende Verbände:

Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V.

Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V.

Lagergemeinschaft Dachau e.V.

Deutsches Mauthausenkomitee Ost e.V.

Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e.V.

Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V.

Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V.

Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg e.V.

Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Unterstützer:

Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Pressemitteilung und Einladung

25. Januar 2015

Wir laden Sie herzlich ein zum Pressetermin zur Vorstellung einer gemeinsamen Erklärung der Lagergemeinschaften:

„Erbe annehmen – Vermächtnis weitertragen“

am Montag, 26. Januar 2015, 11:00 Uhr Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin Robert-Havemann-Saal ein.

Aus Anlass des 70. Jahrestages der Befreiung der Konzentrationslager wenden sich Lagergemeinschaften, Komitees und Interessenverbände ehemaliger Häftlinge mit einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit. Damit bringen sie zum Ausdruck, dass sie das Erbe der Überlebenden annehmen und diese Arbeit weiter führen.

Unterzeichnende Verbände:

Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V.

Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V.

Deutsches Mauthausenkomitee Ost e.V.

Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e.V.

Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V.

Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V.

Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg e.V.

Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Unterstützer:

Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Beim Pressetermin werden Vertreter der verschiedenen Verbände sowie ehemalige Häftlinge anwesend sein.

Im Namen der unterzeichnenden Verbände Jeanine Bochat und Vera Dehle-Thälmann

Sprecherinnen der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V.

Vorstandssitzung

19. Januar 2015

Die nächste Vorstandssitzung findet am 12. und 13.2. in Berlin statt. Ort steht noch nicht fest.

Wir unterstützen diese Petition, tut das bitte auch!

19. Januar 2015

Mit einer faktischen Ausladung verhindern EU-Staaten die Teilnahme des russischen Präsidenten an den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz.

Dazu im Anhang einen Bericht von German-Foreign-Policy.com

und hier eine Pedition zum unterschreiben:

70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung: NICHT ohne Russland!

Zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz hat der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, statt einer feierlichen persönlichen Einladung nur eine (untergeordnete) diplomatische Note an Russland erhalten. Deshalb plant Putin derzeit nicht, an den Gedenkfeierlichkeiten am 27. Januar 2015 teilzunehmen. Das erscheint in mehrfacher Hinsicht vollkommen unangemessen. Polen macht Schwierigkeiten im Wahljahr geltend, Präsident Putin einzuladen; es werden Formalien vorgeschoben: Das staatliche Auschwitz-Museum sei für die Einladungen zuständig, nicht die polnische Regierung. Polen ist im neuen Spannungsfeld zwischen westlichen Ländern und Russland gleichzeitig besonders betroffen und (erneut) unglücklich beraten. Deutschland wird bei der Feier in Auschwitz voraussichtlich durch Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel vertreten sein. Es erscheint vollkommen unangemessen und höchst bedauerlich, dass Deutschland nicht alles versucht, um die polnischen Freunde, Verbündeten und Nachbarn für die gute Idee einer friedensfördernden und de-eskalierenden formvollendeten Einladung an den Präsidenten der Russischen Föderation zu gewinnen. https://www.openpetition.de/petition/online/70-jahrestag-der-auschwitz-befreiung-nicht-ohne-russland

JE SUIS CHARLIE

8. Januar 2015

Wir trauern um unsere Kameradin Edith Sparmann

30. Dezember 2014

Edith Sparmann Quelle MGR Foto : 1993 ,Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Foto: Heuschkel

Liebe Kamerad_innen und Mitglieder der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis, uns erreichte die traurige Nachricht, dass Edith Sparmann am 29.12. in Dresden verstorben ist. Im letzten Mitteilungsblatt konnten wir noch von ihrer Feier anlässlich des 92.Geburtstages berichten. 1941 wurde Edith gemeinsam mit ihrer Mutter in Chrastava (CSR) von der Gestapo verhaftet. Die Unterstützung für die Rote Hilfe konnte ihr nicht nachgewiesen werden – doch allein der Verdacht reichte aus. Etwa sieben Wochen nach ihrer Mutter, am ersten November, verschleppten die Nazis auch sie als „Politische“ mit der Häftlingsnummer 8291 nach Ravensbrück. Sie musste zunächst als „Verfügbare“ arbeiten, dann im Stubendienst und danach in der Effektenkammer. Zwischen 1942 und 1943 leistete sie Zwangs-arbeit als Frisöse für die Aufseherinnen und Frauen der SS-Führer. Am 28. April 1945 wurde sie gezwungen, das Lager zu verlassen. Ziel des Todesmarsches war Mirow, aber kurz vor Wesenberg nutze sie, wie viele aus der Gruppe, die Dunkelheit zur Flucht. In Wesenberg erlebe Edith dann die Kapitulation Deutschlands, sie war endlich wieder ein freier Mensch. 1982, nach Eintritt in das Rentenalter intensivierte sie ihre Arbeit für die Dresdener Mitglieder der „Lager-Arbeitsgemeinschaft Ravensbrück“ und wurde stellvertretende Vorsitzende. Von 1987 bis 2002 fungierte sie als Generalsekretärin des „Internationalen Ravensbrück-Komitees“ und war Mitglied des Internationalen Beirats der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Edith konnte mit ihrem umfangreichen Wissen detailliert über die Topografie und Struktur des KZ Ravensbrück berichten. Sie setzte sich für die Einbeziehung des Geländes des ehemaligen KZ Uckermark ein. Auf die Frage einer Journalistin, warum sie sich in der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis engagiere, antwortete Edith einmal: „Die Arbeit in der Lagergemeinschaft ist mein ganz bescheidener Beitrag für eine Welt des Friedens, der Freiheit und der Gerechtigkeit.“ Unsere Kameradin Edith Sparmann wurde am 14. Juni 2006 im Brandenburgischen Landtag mit dem „Brandenburgischen Verdienstorden“ durch Ministerpräsident Matthias Platzeck ausgezeichnet. Die Beisetzung fand am 22. Januar, um 13 Uhr, auf dem Urnenfriedhof Tolkewitz, in Dresden, mit reger Beteiligung statt. Frau Dr. Jacobeit hielt die Trauerrede. Wir trauern um unsere Kameradin Edith Sparmann Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V. Der Vorstand

Vorstandssitzung

7. November 2014

Am 14. und 15. November findet unsere nächste Vorstandssitzung in Berlin statt. Bei Teilnahmeinteresse bitte melden.

Aktualisierung unserer Stele am See

4. November 2014

Während der Jahrestagung wurde unsere Stele am See nun um die Inschrift in polnischer Sprache ergänzt.

Wir danken allen an der Durchführung Beteiligten recht herzlich für ihr Engagement.

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Die von der französischen AMICALE gespendeten 1000 Rosen sind an ihren Pflanzorten angekommen

4. November 2014

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Die Rosen sind eingetroffen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • 1-RAVENSBRUCK                                                                                                               150  Stück
  • 2-VELTEN                                                                                                                             100  Stück
  • 3-SCHLIEBEN                                                                                                                      100  Stück
  • 4-GARDELEGEN                                                                                                                 100  Stück
  • 5-NEUBRANDENBURG                                                                                                    100  Stück
  • 6-GENSHAGEN und Ludwigsfelde                                                                         200 +50  Stück
  • 7-HENNIGSDORF                                                                                                                 50  Stück
  • 8-CHATEAUBRIAND                                                                                                         100  Stück
  • 9-ROMAINVILLE                                                                                                                  50  Stück

Jahrestagung

20. Oktober 2014

Unsere Jahrestagung zu dem Thema Zwangsprostitution war ein voller Erfolg. Nach einem Vortrag von Frau Dr. Christa Paul wurde in Arbeitsgruppen intensiv diskutiert und abschliessend wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen im Plenum zusammengefasst.

Wir danken der Arbeitsgruppe für die tolle Vorbereitung und Durchführung der Tagung und den Förderern:

dem Netzwerk Selbsthilfe, dem  Anne-Frank-Fond Basel, der Dr. Hildegard-Hansche-Stiftung , der Hans-Böckler-Stiftung sowie den privaten Spendern.

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